• News

Kanton verliert Personal

Die Zahl der vorzeitigen Pensionierungen nimmt wegen dem 
neuen Pensionskassengesetzes beim Kanton um zwei Drittel zu

In der Polizei- und Militärdirektion gibt es am meisten vorzeitige Pensionierungen, in diesem Jahr sind es 99. Am grössten ist die Zunahme in der Bau­direktion, in der es zu einer Verdreifachung kommt. Eine Verdoppelung verzeichnen Volkswirtschafts- und Erziehungsdirektion. In der Justiz-, Gemeinde- und Kirchdirektion bleiben die Zahlen indes stabil.

«Blaues Auge» für den Kanton

Die Finanzdirektion anerkennt die Zunahme, von einer «Pensionierungswelle» will sie aber nichts wissen. Diese sei ausgeblieben, heisst es in der schriftlichen Antwort. «Das ist eine Untertreibung», findet SP-Grossrätin Andrea Lüthi, welche die Anfrage gestellt hat. Sie ist der Auffassung, dass es schlimmer hätte herauskommen können. Im Vorfeld der Gesetzesdebatte sei etwa die Angst umgegangen, viele altgediente Staatsanwälte könnten ihr Amt niederlegen. Jetzt sind es im Bereich Gerichtsbehörden und Staatsanwaltschaft «nur» 16 Personen. Lüthi kommt zum Schluss, dass der Kanton «mit einem blauen Auge davongekommen ist».

«Es ist erstaunlich, dass so viele gehen», sagt Matthias Burkhalter, SP-Grossrat und Geschäftsführer des Bernischen Staatspersonalverbands (BSPV). Er musste in den letzten Wochen und Monaten immer wieder Kantonsangestellte, vor allem solche aus der Übergangsgeneration, beraten – Gleiches gilt für die Pensionskasse. «Wir haben ihnen geraten, nicht aus finanziellen Gründen zu gehen.» Die Übergangsbestimmungen seien gut, die Situation verschlechtere sich nicht massiv. «Diejenigen, die auf der ­sicheren Seite sein wollten, haben dennoch die Notbremse gezogen», sagt Burkhalter. Der 60-Jährige hatte ursprünglich ebenfalls beabsichtigt, sich Ende Jahr vorzeitig pensionieren zu lassen. Nun hat er aber entschieden, weiterzuarbeiten.