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In Prêles hängt der Haussegen schief

Die Stimmung im kantonalen Jugendheim Prêles ist schlecht. Mitarbeiter beklagen einen rauen Umgangston und missbräuchliche Kündigungen.

Artikel aus Der Bund vom 8. Juni

Bernische Strafanstalten sind meist bis auf den letzten Platz belegt. Anders das Jugendheim Prêles im Berner Jura, in dem jugendliche Straftäter im Alter zwischen 14 und 22 Jahren untergebracht sind. 2014 war dort im Durchschnitt nur gut jedes zweite Bett besetzt. Um der kostspieligen Unterbelegung entgegenzuwirken, hat die kantonale Polizeidirektion (POM) eine externe Strukturüberprüfung in Auftrag gegeben, wie Recherchen des «Bund» zeigen. Diese Prüfung soll einerseits die Stärken und Schwächen der Einrichtung aufzeigen, sagt Thomas Freytag, der das kantonale Amt für Freiheitsentzug und Betreuung seit einem Monat leitet. Im Rahmen der umfassenden Betriebsanalyse sollen aber auch «gewisse Probleme im Personalbereich» beleuchtet werden.

«In Prêles herrscht eine latente Personalunzufriedenheit», sagt Matthias Burkhalter, Geschäftsführer des Bernischen Staatspersonalverbands (BSPV), auf Anfrage. Aus diesem Grund hätten seit Anfang des Jahres bereits 15 Mitarbeiter gekündet. Laut Burkhalter, der für die SP im Grossen Rat sitzt, werden die Mitarbeiter von der Führung hart angefasst. «Langjährige Angestellte mussten wegen kleinen Fehlleistungen gehen.» Der BSPV hat mehrere der Kündigungen juristisch angefochten – die Verfahren laufen. An einer Personalversammlung sei aber nicht nur die Führungskultur und die interne Kommunikation bemängelt worden, sagt Burkhalter. «Es fehlt den Mitarbeitern auch an Perspektiven.»

Der Neubau steht leer

Ursula Muther, Direktorin des Jugendheims, stellt in Abrede, dass das Personal unsaft behandelt werde. Es verlöre auch niemand aus nichtigem Grund seine Stelle. «Der Kanton Bern ist ein sehr verantwortungsvoller Arbeitgeber.» Die Fluktuation bewegte sich im üblichen Rahmen, ist Muther überzeugt. «Dass es beim Personal eine grosse Unzufriedenheit gibt, ist uns aber bewusst», sagt sie. Die schwache Auslastung und die damit verbundenen Unsicherheiten stellten für alle Mitarbeitenden eine «schwierige Situation» dar.

Noch vor wenigen Jahren ging man beim Kanton von einem steigenden Bedarf an Plätzen für junge Straftäter aus. So wurde die Anstalt in Prêles für 38 Millionen Franken saniert. Dies auch, da der Europarat die Zustände in Prêles als ungenügend taxiert hatte. Im Zuge der 2012 abgeschlossenen Sanierung wurde aber auch die Bettenkapazität erhöht. Diese Betten stehen seither leer.

Auch strukturelle Probleme

Dazu tragen aber nicht nur die internen Querelen, sondern auch äussere Faktoren bei. So sank die Zahl der jugend­lichen Straftäter seit dem Jahr 2010 massiv – bei Delikten, die unter das Strafgesetz fallen, um rund ein Drittel. Gründe dafür sind gemäss Muther etwa, dass ­geburtenschwächere Jahrgänge ins ­Teenageralter kommen. Ein Faktor ist auch das Geld: Viele der Insassen absolvieren in Prêles eine Berufslehre. Doch immer weniger Kantone sind bereit, mehrjährige Integrationsmassnahmen zu finanzieren. Die von der POM veranlasste Strukturüberprüfung soll deshalb auch Wege aufzeigen, wie diese strukturellen Probleme des Jugendheims überwunden werden können. Die Studie wird in zwei Wochen publiziert. Die Turbulenzen in Prêles beschäftigen ­derzeit auch die Geschäftsprüfungs­kommission des Grossen Rats.