• Politisches

Versicherer gewechselt – zukünftiges Sparen

Alte Versicherung kündigen und eine neue abschliessen. Genau dies hat der Kanton Bern gemacht – und bezahlt nun eine halbe Million Franken an Prämien weniger.

Artikel aus Der Bund

Der Grosse Rat hat gestern einstimmig beschlossen, dass der Kanton Bern seinen Versicherer wechselt. Die Prämie für die Sachversicherung beträgt neu noch 646 000 Franken pro Jahr. Verglichen mit der bisherigen Prämie von 1,12 Millionen Franken ist das doch deutlich günstiger.

Der neue Vertrag gilt bis 2022; während der ersten drei Jahre ist die Prämie garantiert. Damit danach auf allfällige Prämienerhöhungen rasch reagiert werden kann, hat der Grosse Rat ein Kostendach von 800 000 Franken bewilligt. Mit der Sachversicherung werden – wie es der Name sagt – Sachen versichert. Schäden an Gebäuden fallen in den - Bereich der Gebäudeversicherung. Die Sachversicherung beinhaltet eine Feuer - und Elementardeckung für alle Waren und Einrichtungen zum Neuwert. Zählt man alle Sachwerte zusammen, kommt man auf 1,7 Milliarden Franken.

Von der Mobiliar zur Helvetia

Der bisherige Vertrag war 2004 mit der Schweizerischen Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG abgeschlossen worden. Wie sich zeigte, hielt sich die Schadensumme während der letzten zehn Jahre mit insgesamt sechs Millionen Franken in Grenzen; die Mobiliar verdiente am Kanton Bern somit rund fünf Millionen Franken. Unter anderem aufgrund dieses günstigen Schadenverlaufs, aber auch weil der Versicherungsmarkt derzeit «weich» und somit günstig für die Versicherungsnehmer ist, wie es in den Unterlagen heisst, hat die Finanzdirektion die Versicherung per Ende 2014 gekündigt und neu ausgeschrieben. Den Zuschlag hat nun die Helvetia -Versicherung erhalten.

Hochwasser im Bildungszentrum

Grossrat Matthias Burkhalter (SP, Rümligen) sagte namens der Finanzkommission, die Schadensummen hätten von Jahr zu Jahr stark variiert. Das kostspieligste Einzelereignis war 2005 der Hochwasserschaden im Bildungszentrum Interlaken mit rund vier Millionen Franken. 2013 war das Jahr mit den geringsten Schäden – sie betrugen bloss 16'000 Franken.

Der Mobiliar könne keineswegs der Vorwurf gemacht werden, sie habe zu viel verdient am Kanton Bern, sagte Matthias Burkhalter dem «Bund» nach der Grossratssitzung. Die dezentralen Versicherungslösungen, die es zuvor gegeben habe, seien nicht als Vergleichsbasis geeignet gewesen. Zudem habe die Versicherung schliesslich das ganze Risiko getragen.

Tatsächlich ist das Schadenpotenzial beträchtlich. Als Beispiel nannte Burkhalter das Institut für Exakte Wissenschaften der Universität Bern. Würden dort beispielsweise bei einem Brand alle Sachwerte vernichtet, beliefe sich der Schaden auf 60 Millionen Franken.

Besser für die Budgetierung

Im Grunde genommen aber ist der Kanton gar nicht verpflichtet, eine Sachversicherung abzuschliessen. Er könnte für Schäden von Fall zu Fall selber aufkommen. Dass die Finanzkommission weiterhin für eine Versicherungslösung plädierte, hängt laut Burkhalter damit zusammen, dass eine Prämie von Jahr zu Jahr gleichbleibend und daher auch einfacher zu budgetieren ist.