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Zehn Tage Vaterschaftsurlaub

2015 darf das Kantonspersonal einiges erwarten: längerer Vaterschaftsurlaub, Nacht- und Wochenendzulagen und Lohnerhöhungen.

Artikel aus der Berner Zeitung BZ

2015 darf das Kantonspersonal einiges erwarten: Der Vaterschaftsurlaub wird von zwei auf zehn Tage verlängert, das untere Kader erhält neu Nacht- und Wochenendzulagen, und die Lohnerhöhungen erreichen 1,5 bis 2 Prozent.

Der Kanton Bern hat bei den Lohnerhöhungen für das Staatspersonal und die Lehrpersonen lange geknausert, um den Haushalt ins Lot zu bringen. Damit soll nun Schluss sein: Regierung und Grosser Rat haben sich verpflichtet, fortan für eine verlässliche Lohnentwicklung zu sorgen. 2015 wird das Versprechen eingehalten.

Die Regierung sieht in ihrem Budgetentwurf einerseits eine Lohnrunde von 1,5 Prozent für individuelle Gehaltsaufbesserungen vor. Wenn man berücksichtigt, dass ein Teil der Angestellten den Maximallohn bereits erreicht hat, erlaubt dies überschlagsmässig Lohnerhöhungen von durchschnittlich 1,7 Prozent. Andererseits sind im Budget zusätzliche 0,3 Prozent für einen generellen Teuerungsausgleich vorgesehen, falls es denn eine Teuerung gibt.

Väterfreundliche Stadt Bern

Daneben hat der Regierungsrat Verbesserungen zugunsten des Personals beschlossen, die viel weniger kosten als die jährlichen Lohnrunden, für die Stimmung und das Image aber förderlich sein mögen. Insbesondere hat die Regierung definitiv entschieden, ab 1. Januar 2015 den Vaterschaftsurlaub von zwei auf zehn Tage – faktisch also auf zwei Wochen – zu verlängern. In den Genuss dieser freien Zeit kommen nebst leiblichen Vätern auch Eltern, die ein Kind adoptieren.

Mit einem zehntägigen Urlaub führe der Kanton eine zeitgemässe Regelung ein, findet die Regierung selber. In der Tat sind bereits zahlreiche öffentliche und private Arbeitgeber vorangegangen. Während den Vätern vielerorts eine bis zwei Wochen gewährt werden, erweist sich die Stadt Bern mit drei Wochen als besonders grosszügig. Für den Kanton halten sich die Mehrkosten des verlängerten Vaterschaftsurlaubs mit geschätzten 0,8 Millionen Franken im Jahr im Rahmen. Zum Vergleich: Die 0,3 Prozent für die Teuerung kosten 10 Millionen Franken im Jahr.

90 Minuten zum Stillen

Weniger stark ins Gewicht fällt auch die zweite Verbesserung für das Personal: Bisher ist das untere Kader von den Zulagen ausgeschlossen, die ihre Untergebenen für Nacht-, Wochenend- und Pikettdienste erhalten. Diese Bestimmung ändert die Regierung nun ebenfalls auf Anfang 2015, was den Kanton rund 0,7 Millionen Franken kosten soll.

Neu hat die Regierung zudem den «Umgang mit stillenden Müttern» am Arbeitsplatz formell geregelt. Da der Bund den Mutterschutz im Arbeitsgesetz neu definiert hat, gilt in der Kantonsverwaltung unter anderem Folgendes: Pro Arbeitstag erhalten Mütter für das Stillen oder das Abpumpen von Milch 90 Minuten Arbeitszeit. Zudem dürfen Schwangere maximal neun Stunden pro Tag arbeiten.